Bundeswehr in Grönland
Es ist mal wieder so ein Moment, da könnte man dauerhaft in die Tischkante beißen!!!
Die #Bundeswehr verlegt keine Kräfte nach Grönland!!! Und 13 Soldaten sind auch nicht unser Beitrag zur aktuellen Lageentwicklung. Das ist noch kein "deutliches SPD-Lambrecht-Signal" an unsere Verbündeten [1].
Es wurde auch noch nichts im Bundestag beschlossen. Es gibt keinen Grund sich zu echauffieren, Panik zu bekommen oder eine direkte Konfrontation mit den USA heraufzubeschwören [2].
Was da passiert, ist ein völlig normaler Prozess. Die Bundeswehr hat ein VORAUSKOMMANDO entsendet, welches sich die Gegebenheiten vor Ort in #Grönland anschaut, sich mit der Host Nation #Dänemark und anderen möglichen truppenstellenden Nationen austauscht, wie man möglicherweise eine erste Phase eines Einsatzes koordiniert, wer welche Aufgaben und welche Räume übernimmt. Parallel werden politische Gespräche geführt, wie man mit den Drohungen Trumps umgehen soll. Und dann wird man übereinanderlegen, was militärisch möglich ist und politisch sinnvoll.
Da passiert auch nichts über die Köpfe von uns Bürgern oder dem Parlament hinweg. Es ist noch nichts entschieden. Die Aufgabe des Vorauskommandos ist es, zu prüfen, was, wie, durch wen, wann und wo gemacht werden kann.
Dass aller Voraussicht nach deutsche Truppen und hier vermutlich Kräfte der #Gebirgsjägerbrigade 23 etwas tun werden bzw. längerfristig dorthin verlegen, ist aus meiner persönlichen Sicht sehr wahrscheinlich. Denn Europa muss gegenüber #Russland, #China und den #USA zeigen, dass wir für uns selber die Verantwortung übernehmen. Inwiefern die Briten oder die Franzosen noch quantitativ nennenswerte Verbände haben, die zur militärischen Operationsführung in arktischen Extremklima befähigt sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber mehr als eine Brigade werden die Franzosen auch nicht mehr haben.
Dieses Ereignis zeigt aber eines ganz deutlich: Nur das Minimum zu erfüllen, was die #NATO Minimum Capability Requirements (MCR) [2] erfordern, ist heutzutage zu wenig. Es sind eben nur Minimalanforderungen. Wir brauchen in Deutschland und Europa mehr Kräfte, mit denen wir nachhaltig auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren können. Meines Erachtens ist es anerkannte Meinung, dass wir in einem Zeitalter der Polykrisen leben. Dies bedeutet, dass verschiedene Krisen parallel existieren, die sich gegenseitig beeinflussen bzw. verstärken. In einer solchen Zeit braucht man deutlich mehr Reserven. Da ein Großteil dieser Krisen direkt oder indirekt machtpolitischen Ursprungs sind, muss man auch machtpolitische Fähigkeiten haben, um damit umzugehen. Und ob es uns gefällt oder nicht, das sind nun mal in erster Linie militärische Fähigkeiten. Das Deutschland derzeit nur sehr eingeshränkt im Rahmen des internationalen Krisenmanagements nur sehr begrenzt eingebunden ist, sollte als glückliche Ausnahme, aber nicht als Regel verstanden werden. Der Klimawandel, aber auch Russland und China werden uns in unserer erweiterten Nachbarschaft immer stärker herausfordern. Das ist ein Trend, der sich weiter FORTsetzen wird. Daher müssten wir auch darauf vorbereitet sein, hier Kräfte aufzubauen, die auf solche Entwicklungen werden reagieren können. Ggfs. werden auch U.S.-Kräfte ersetzt werden müssen. Auch das muss heute in unsere Kalkulationen einfließen.
"Therefore, Europe faces a choice: either increase troop numbers significantly by more than 300,000 to make up for the fragmented nature of national militaries, or find ways to rapidly enhance military coordination" [4].
Nun soll mir jemand erklären, wie das mit einer auf Freiwilligkeit basierenden #Wehrpflicht realisierbar sein soll. niemand fragt sich, ob das der deutschen Jugend passt oder ob sich friedliebende Menschen in der Mitte ihres Lebens mit all dem wohl fühlen. Das ist leider belanglos. Es muss gehandelt werden. Denn sonst entwickeln sich gegen unseren Willen Realitäten die noch unliebsamer sind.
[1] rnd - „Ein absoluter Witz“: Kritik nach Ankündigung von Lieferung von 5000 Militärhelmen in die Ukraine:
https://www.rnd.de/politik/ukraine-konflikt-lieferung-von-5000-militaerhelmen-kritik-von-botschafter-P4UALIVXLNVZUR73K3QQ6SGOQQ.html
[2] tagesschau.de - Bundeswehr entsendet Soldaten nach Grönland:
https://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr-groenland-100.html
[3] Mein LinkedIn-Beitrag zum cpm-Interview mit Generalinspekteur Breuer:
https://www.linkedin.com/posts/jan-uwe-pettke-1903b765_ukraine-bundeswehr-nato-activity-7256572369777889280-tKqs?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAAA3DXzwBJWqaU9nqrBhdQ_pbNeCjx0xRbVQ
[4] Artikel von IfW / Bruegel: Defending Europe Without the US: First Estimates of What is Needed
https://www.ifw-kiel.de/fileadmin/Dateiverwaltung/IfW-Publications/fis-import/4f1009ce-a53d-4043-bda1-92f60a71f389-KPB_183_en.pdf